Informatik, Realsatire, Photos. Und Ameisen in einem Terrarium.

Ich bin Informatiker mit biologischem Interesse und mich faszinieren dezentral organisierte Systeme. Je weniger globale Abhängigkeiten existieren, desto skalierbarer und robuster ist ein System. Jeder Blick in die freie Natur unterstützt mich in dieser Denkweise. Ich arbeite als Systemingenieur bei der IVU Traffic Technologies AG in Aachen.



Dr. Edward Snowden - Update: doch nicht

Des einen Sünde ist des andern Verdienst. Guttenberg, Schavan und Konsorten wurde fürs Kopieren ihr Doktor genommen. Genau hierfür erhält Edward Snowden jetzt einen: Die Universität Rostock verleiht ihm einen Ehrendoktor. Ich nehme an, der feine Unterschied ist, dass Snowden an seine Exzerpte drangeschrieben hat, dass sie von der NSA kommen und nicht von ihm selbst. 8-)

Freuen würde ich mich natürlich, wenn er die Auszeichnung auch noch gefahrlos annehmen könnte. In jedem Fall: Herzlichen Glückwunsch, Edward Snowden!

Update: Der Rektor der Universität Rostock fasst von seinem Schreibtisch in seinem friedlichen Wohnort in Deutschland gestützt auf Beamtensicherheit den Entschluss, dass Herr Snowden im Exil in einem mittelfreundlichen Land mit ungewisser Zukunft den Ehrendoktor doch nicht kriegen soll. Der Rektor „erklärte, die Übergabe eines Datenbestandes an Medien mit dem Ziel der Veröffentlichung sowie die Auslösung eines wissenschaftlichen Diskurses über Aktivitäten von Geheimdiensten könne nicht als wissenschaftliche Leistung gewertet werden.“ – Ja, was so allenthalben als wissenschaftliche Leistung gewertet wird, trägt da sicher mehr zur Aufklärung der Menschheit bei.

Edathys Vorratsdaten

Es ist sicher keine Sternstunde der Rechtsstaatlichkeit, was mit Sebastian Edathy passiert ist. Edathy wurde von der Staatsanwaltschaft Hannover vorab öffentlich vernichtet. Vielleicht wurde sogar seine Immunität missachtet. Seine Kunstsucht wird öffentlich mit Satire bedacht, und es gibt bestimmt Nienburger Mütter, die ernsthaft darüber nachdenken, ihr Söhnchen nicht mehr alleine durch die Nienburger Georgstraße gehen zu lassen. Aufgrund der grandiosen Aufklärungsarbeit von "IM Friedrich" konnte man gar den Eindruck haben, dass jedes Polizeirevier in Deutschland über Edathys Eskapaden Bescheid wusste.

Das alles geschah ohne einen tatsächlichen Beweisfund. Auch neue womögliche Beweise landen bar jeder rechtlichen Würdigung umgehend in der Presse. Dagegen kann man zweifellos etwas haben.

Das Mitleid von Personen, die den Bürgerrechten einen gewissen Wert beimessen, könnte sich dennoch in engen Grenzen halten. Mit Edathy ist jemand über die Klinge gesprungen, der ein großer Befürworter der Vorratsdatenspeicherung war. Als Grund nannte er unter anderem eine Plastikvagina, die ihm jemand via Internet zukommen ließ (vgl. Artikel in diesem Blog von 2011). Zugegeben: Mit dem Wissen von heute ist viel nachvollziehbarer geworden, warum Edathy damals so verärgert war, trifft doch eine Vagina nicht gerade seine künstlerischen™ Interessen.

Und worüber ist er nun gestolpert? Na, über Vorratsdaten aus Kanada. Und Vorratsdaten aus dem Bundestag. Eine winzige Kostprobe der eigenen Generalüberwachungsmethodik hat ihn aus dem politischen Genpool entfernt. Oh the irony! Würde es einen politischen Darwin-Award geben – man bräuchte für das Jahr 2014 wohl nicht weiter suchen.

Bei allem schwarzen Humor: Ich persönlich kann ihm sein Engagement jetzt nicht mehr übel nehmen. Denn eins ist klar: Je weniger Ahnung man selbst hat, desto dümmer schätzt man seine Mitmenschen ein. Und wer so ein Geistesblitz ist, dass er Nacktfilmchen von Kindern mit der eigenen Kreditkarte (!) über die Bundestagsserver (!!) bezieht – dem nimmt man doch ohne Weiteres den Glauben ab, die Vorratsdatenspeicherung würde weiterhelfen, oder?

Update: Oah, diese Schlagzeile passt ja dazu wie die Knabenfaust auf Edathys Auge: "Politiker und Pädophile wollen Google-Links löschen lassen". Oh Zeiten, oh Sitten :-)

Der Anti-Patriot-Act

In der letzten Zeit ist unsere Bundesregierung nicht gerade durch großen Mut in der NSA-Affäre aufgefallen. Vielleicht kommt jetzt aber die Retourkutsche durch die Hintertür: Ausländische Unternehmen, die an IT-Projekten der Bundesregierung teilhaben wollen, müssen nun belegen, dass sie nicht für ausländische Geheimdienste arbeiten bzw. zur Herausgabe von Daten an diese verpflichtet sind.

Das ist natürlich eher suboptimal für US-Unternehmen, die oftmals IT-Vorreiter sind, aber – so wird angenommen – zur großen Zahl solchen Verpflichtungen unterliegen, beispielsweise durch den Patriot Act. Wenn solche Regulierungen Schule machen, könnten ganze IT-Wirtschaftszweige der USA empfindlich geschädigt werden und die US-Wirtschaft hätte dann durchaus ein paar gute Argumente gegen das weltweite Vorgehen ihrer Regierung in der Hand.

Vor dem Hintergrund der beschämenden Tatsache, dass man sich nach wie nicht in der Lage sieht, einmal Herrn Snowden im Rahmen des NSA-Untersuchungsausschusses vor Ort anzuhören, traue ich dem Braten allerdings noch nicht. Es ist ja auch völlig unklar, wie die betroffenen Unternehmen den Beleg, nicht nachrichtendienstlich tätig zu sein, erbringen sollen. Man darf gespannt sein, ob das nicht nur ein Papiertiger wird. (Danke, fwk!)

Captchas

Na super, die Seite zieht jetzt Spammer an. m( In den vergangenen Monaten hatte ich einige hundert Spam-Kommentare, die aussahen wie Tests, und in den letzten 2 Nächten dann nochmal ein paar hundert (da haben sie wohl ihre Tests für erfolgreich befunden). Intelligenterweise niemals auf den neuesten Artikeln.

Ich bin sicher, hier haben sich die feminist world league, die Kölner Grundschullehrämtler, der Elsdorfer Hüpfburgenverleih und natürlich Xerox verbündet, um mir das Leben schwer zu machen!!1 8-) Jedenfalls muss man jetzt ein Captcha ausfüllen, wenn man kommentieren will.

Procter & Gamble gesteht peinlichen Schreibfehler im Wort "ARIER"

Halbe Sachen bei Procter & Gamble: Auf der einen Seite nutzt man das bekannte Nazisymbol „88“ auf den Verpackungen, schreibt dann aber das wort ARIER falsch! Zu lesen ist ganz klar ARIEL.

In meinen Augen zeugt das von Jahrzehnten an verfehlter Bildungspolitik. 70 Jahre Entnazifizierung, und es gibt immer noch Leute, die das Wort nicht richtig schreiben können. Der Konzern bedauert die missglückte Werbeaktion und nimmt die Verpackung vom Markt. Ob im Rahmen der Unternehmensinitiative „Nicht nur sauber - sondern rein“ noch eine rechtschreibfehlerfreie Version herausgebracht wird, wurde nicht bekannt.

Größere Aufnahme hier. Foto: Twitter. (Danke, Lisa!)

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