Sonntagsfrage und andere Auswertungen zur Bundestagswahl, laufend aktualisiert

Auf dieser Seite findet ihr die Ergebnisse der Sonntagsfrage der gängigen Wahlforschungsinstitute (hier Allensbach, Emnid, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen, GMS, Infratest, dimap, INSA, Ipsos und YouGov) in verschiedenen einfach zugänglichen Ansichten.

Zusätzlich messe ich weiter unten für alle relevanten Parteien, bei welchen Umfrageinstituten diese eher gut oder eher schlecht wegkommen.

Alle Charts werden mehrmals am Tag aktualisiert und Ihr könnt jedes Chart zur Vergrößerung anklicken.

Auswertung der Sonntagsfragen

Vorgehensweise und Art der Diagramme

Für jeden Tag und jede Partei gucke ich, welches Institut für welche Partei in einem Fenster von 14 Tagen bietet und bilde einen gleitenden Mittelwert. Dieser wird dann zu Linien geplottet. Das bedeutet, dass die Aktuellsten Punkte der Linien nur die Umfragewerte der aktuellsten 7 Tage zurückgreifen (die zukünftige Hälfte des Fensters ist ja leer).

Bei den detailreicheren Plots findet ihr um die Linien herum noch Punkte in den Dateifarben. Das sind die einzelnen Umfragewerte. So habt ihr direkt einen Eindruck von der Streuung der Originaldaten.

Da die Institute nicht alle an denselben Tagen neue Werte veröffentlichen, ergibt sich insgesamt eine höhere zeitliche Genauigkeit als die wöchentliche. Die Datenquelle ist wahlrecht.de.

Sonntagsfrage für die letzten 30 Tage

Wenn man nur die letzten 30 Tage betrachtet, kann man sehr gut aktuelle Trends erkennen. Ich finde, aus dem Chart erschließt sich direkt auf den ersten Blick wirklich ganz hervorragend die packende Dynamik des Wahlkampfes. Das ist sozusagen die Chart-gewordene Merkel-Raute 8-)

Jetzt haben wir das Problem, dass das „Rennen“ zwischen CDU und SPD nicht mehr wirklich interessant ist – es sind aber diese beiden Parteien, die das Diagramm dominieren und die kleinen Parteien unten an den Bildrand pressen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die kleinen Parteien alle bei 8% knubbeln.

Dabei ist doch genau das interessante dieses Jahr, dass wir vier kleine Parteien haben, die mutmaßlich auch alle den Sprung in den Bundestag schaffen. Damit wir genauer sehen können, wie sich die kleinen Parteien entwickeln, hier der gleiche Plot, nur ohne die großen Parteien. So lässt sich deutlich mehr erkennen.

Achtung: Damit man Feinheiten hier besser sieht, beginnt die Y-Achse hier nicht bei Null! Die sind so dicht beieinander, dass der hier betrachtete Korridor extrem schmal ist. Guckt also genau hin, bevor ihr meint, daraus irgendwelche wirklichen Tendenzen erkennen zu können. Man sieht auch an den Punkten, dass das Rauschen in den Daten stärker ist, als der Korridor, in dem sich die Linien der Parteien bewegen. Hier muss man also sagen: Es gibt keine klare Aussage, welche Partei gerade die stärkste der kleinen Parteien ist, oder auf dem Weg ist, es zu werden.

Sonntagsfrage für ganz 2017

Wir zoomen raus - hier nun eine zeitlich weiter gefasste Ansicht: Sonntagsfragendaten seit Anfang 2017. Mit kleineren Punkten für die einzelnen Umfragen.

Seht ihr den prägnanten Hubbel, den die SPD bildet? Das ist „der Schulz-Zug“ LOL m(. Wie ihr seht, hat der Schulz-Zug eine ziemliche Fahrt aufgenommen. Das ist auch ganz normal, denn es geht steil bergab. Wenn die SPD sich ranhält, ist sie bis zur Wahl wieder auf dem Umfragenstand von Anfang 2017 und damit nahe des absoluten Tiefststandes.

Auch hier sind die großen Parteien aber wieder so semi-interessant, also gibt es wieder eine Ansicht, in der nur die kleinen Parteien enthalten sind:

Achtung: In diesem Plot beginnt die Y-Achse wiederum nicht bei null, damit wir die kleinen Parteien feiner beobachten können. Man sieht interessanterweise, dass die Punkte sich in horizontalen Linien anordnen, und zwar immer genau bei halben und ganzen Prozentpunkten. Die Institute scheinen die Daten, die sie herausgeben, also in irgendeiner Form zu runden.

Sonntagsfrage seit 1998

Und zum Schluss noch die ganz große Ansicht: Alle Sonntagsfragenwerte seit 1998.

Schön zu sehen links unten ein paar rechte Parteien der späten Neunziger, hier alle gleich braun eingefärbt. Den verschiedenen Vorläufern der Linkspartei habe ich zur besseren Zuordnung die gleiche Farbe gegeben wie der Linkspartei (violett).

Man sieht schön das Hoch der Grünen nach Fukushima, den kurzen Höhenflug der Piratenpartei (orange) und den Weg der FDP zu „Rock Bottom“ nach 2010. Interessant, wenn man sich den Plot so anguckt: Das Aufsteigen der Piratenpartei passiert zeitgleich zu sinkenden Grünen - es sieht so aus, als ob die Stimmen von den Grünen kämen. Ob das wirklich so ist, kann man aus der Statistik natürlich nicht sagen. Fest steht aber, dass die Grünen die Stimmen nicht zurückbekommen haben, als die Piratenpartei von den Twitter-Kreischern übernommen wurde.

Das prägnanteste Merkmal ist auch hier aber immer noch der Schulz-Zug. :-)

Was für Tendenzen haben die verschiedenen Institute?

Mit den vorliegenden Daten kann man auch schauen, ob manche Parteien vielleicht bei manchen Umfrageinstituten besonders gut oder schlecht wegkommen. Wir sagen, dass eine Partei bei einem bestimmten Institut eher gut wegkommt, wenn das Institut über längere Zeiträume für diese Partei bessere Prozentwerte prognostiziert als die andern.

Disclaimer: Abweichungen heißen nicht, dass ein Institut einer Partei gegenüber voreingenommen sein muss! Wir werden hier keine Verschwörungstheorien produzieren oder nähren. Aber die Institute haben verschiedene statistische Modelle, die auf die Parteien unterschiedlich ansprechen – und es ist ja mal ganz interessant, das zu vergleichen.

Am besten erkläre ich das direkt am lebenden Objekt. Wir messen das, indem wir für jedes Institut ein Diagramm erzeugen. Machen wir zum Beispiel ein Diagramm für das Institut „Allensbach“, das ist alphabetisch das erste. Wir tragen jetzt für jede Partei auf, wieviel Prozentpunkte die Prognose des Institutes für die Partei über oder unter dem Mittelwert aller Institute lag. Der Mittelwert ist hier der gleitende Mittelwert, den ich oben für die reinen Sonntagsfragen-Diagramme genommen habe. Als Zeitraum habe ich alle Daten seit der letzten Bundestagswahl genommen. Hier ist das Diagramm, wir erforschen das mal.

Damit es übersichtlicher wird, kriegt jede Partei ein eigenes kleines Diagramm. Wenn die Linie in einem Diagramm über null ist, ist diese Partei bei diesem Institut im Verhältnis gut weggekommen. Stößt eine Linie in den grünen Bereich vor, ist sie mehr als einen Prozentpunkt besser weggekommen als beim Durchschnitt. Der rote bereich heißt das Gegenteil: Hier ist sie 1% schlechter weggekommen als beim Durchschnitt aller Institute. Wer jetzt denkt „och, das ist ja nichts“, sei eines Besseren belehrt. Gerade bei den kleinen Parteien, die alle um 8% liegen, ist ein Prozentpunkt sehr viel. Außerdem sind die Linien hier über 90 Tage gemittelt - die tatsächlichen Abweichungen der Institute vom Durchschnitt liegen also noch viel höher, waren aber sehr verrauscht. Mir war es wichtig, längerfristige Tendenzen sichtbar zu machen.

Jetzt aber zum Diagramminhalt. Wir sehen, dass die Allensbach-Einschätzung der CDU/CSU-Fraktion heute relativ besser ist, als sie es direkt nach der letzten Bundestagswahl war. Die FDP kommt bei Allensbach tendenziell ganz gut weg, agiert immer über 0, aber nicht im extremen Bereich. Das gleiche in negativ für die Linken, aber auch nicht extrem. Die Grünen sind unauffällig, fast alles im weißen Bereich. AfD kommt bei Allensbach tendenziell schlechter weg als vor ein paar Jahren. SPD eher gut bis unauffällig.

Kleiner Spaß am Rande übrigens: Ich habe die „eher rechten“ Parteien (CDU/CSU, FDP, AfD) hier rechts angeordnet, die „eher linken“ hier links. So können wir direkt sehen, falls ein Institut einen Rechts- oder Linksdrall hat.

So, jetzt können wir die Diagramme lesen und widmen uns den nächsten Instituten. Hier ist Dimap:

Einziger krasser Ausreißer vom weißen Bereich in der letzten Zeit ist die AfD letzten Juli: Satte 2%-Punkte gemittelte Abweichung nach oben. Das ist viel für eine kleine Partei. Generell sind hier die rechteren Parteien relativ eher auf dem aufsteigenden, und die linken Parteien eher auf dem absteigenden Ast. Nächstes Institut: Emnid.

So gut wie alles im weißen Bereich, auch keine krassen zeitlichen Tendenzen erkennbar. Weitergehen, es gibt hier nichts zu sehen. Nächstes Institut: Forsa.

Das ist ganz interessant. Die SPD kommt hier besonders schlecht weg, insbesondere scheint das Institut den Schulz-Effekt noch etwas negativer einzuschätzen als der Durchschnitt. Sonst keine großen Auffälligkeiten. In der letzten Zeit schätzt das Institut die CDU relativ positiv ein, und die AfD relativ negativ. Nächstes Institut: GMS.

Da sehe ich jetzt auch nichts besonders interessantes. Nächstes: Insa.

Hier kommt die CDU ab Anfang 2016 tendenziell sehr schlecht weg (mehr als zwei Prozentpunkte Abweichung nach unten im 90-Tage-Schnitt, es hat also auch deutlich krassere Abweichungen gegeben) und die beiden äußeren Parteien, Linke und AfD, eher gut. Jetzt: Politbarometer.

Hier hat es einen großen Sprung bei der CDU/CSU gegeben - diese kommt seit Ende 2015 plötzlich relativ besser weg.

Es bleiben Ipsos und Yougov. Diese lasse ich hier ausser Konkurrenz laufen, weil ich von denen nur wenige Messwerte habe.

Meiner Ansicht nach nicht besonders interessant, aber der Vollständigkeit halber wollte ich die schon drin haben.

Fazit: Dauerhaft krasse Abweichungen hat kein Institut. Richtigen Rechts- oder Linksdrall konnte ich nirgendwo ausmachen. Aber das weiß man vorher nicht, und so war es interessant, das einfach mal anzusehen.

Vielleicht noch ein Wort, damit die Verschwörungstheoretiker nicht so enttäuscht sind. Eine Schwachstelle der Auswertung ist: Würden alle Institute zusammen eine Partei gleichmäßig diskriminieren, könnten wir das hier nicht sehen, weil eben alle Linien nur Unterschiede zum Mittelwert sind. Eine gleichmäßige Diskriminierung verschiebt aber den ganzen Mittelwert. Ihr könnt also weiterhin eure Aluhüte glühen lassen. 8-)

Umgekehrt aber sehr sichtbar gewesen wäre, wenn nur ein Institut eine Partei schlecht oder gut wegkommen gelassen hätte, denn dann würde dieses Institut für diese Partei eben stark vom Mittelwert abweichen.

Updates (Danke für eure Zuschriften!)

08.08.2017

  • Plots nutzen die Fläche jetzt besser.
  • Y-Achsen-Titel zugefügt.
  • Datum im Titel geändert auf Stand der Daten (vom Zeitpunkt der Generierung).
  • Information hinzugefügt, welche Datenquellen zuletzt aktualisiert wurden.
  • Plotmaße verkleinert, DPI aber erhöht (resultiert in ähnlicher Bildgröße, aber dickeren Linien, größeren Labeln und und größerer Schrift).
  • Y-Achsen der Plots, die nicht nur die kleinen Parteien betrachten, beginnen jetzt bei 0.
  • Die Plots enden zeitlich jetzt beim aktuellsten Datenpunkt, nicht mehr beim jetzigen Zeitpunkt.

09.08.2017

  • Punkte für einzelne Umfragewerte hinzugefügt
  • Danach Punkte transparent gemacht, so dass man direkt sieht, wenn mehrere übereinander liegen
  • Kurven werden jetzt über einen 14-day centered moving average berechnet. Sehr hochfrequente Schwingungen werden zusätzlich geglättet. Ich habe mich damit zunächst schwer getan, weil diese Art der Aggregation am ganz rechten Rand eine andere Krümmung der Linien suggerieren kann, als tatsächlich stattfindet. Habe mich dann aber doch dazu durchgerungen, weil es einfach die intuitiv besten und lag-freisten Ergebnisse lieferte.
  • FDP hat jetzt einen dunkleren Gelbton, der besser erkennbar ist (ich hatte kurzfristig erwogen, denen angesichts ihrer Neufärbung ein knalliges Pink zu verpassen, dann waren die Plots aber insgesamt weniger ästhetisch)

10.08.2017

  • Stylesheet der Diagramme vom Seaborn-Standarddesign weg geändert - weißer Hintergrund für besseren Kontrast insgesamt.
  • Dunkleres Orange für die Piraten.
  • Institute Ipsos und Yougov zugefügt.

19.08.2017

  • Instituts-Tendenz-Auswertungen hinzugefügt