Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium.

Was es hier nicht gibt, sind Popups, Dialer, Gebührenabzocke, Briefkastenfirmen, nicht einmal Werbung. Kein Anmeldezwang, kein Kommentierzwang, Ihr müsst auch keinen Kontakt zu anderen aufnehmen. Ihr seid endlich mal allein. Genießt die Zeit und stöbert etwas herum.




SPD-Parteilinke for the win!

Was macht man als SPD-Mitglied des linken Flügels, wenn die eigene Spitzenkandidatin die Landtagswahl NRW überragend gewonnen hat, weil sie glaubwürdig rübergebracht hat, auch in NRW bleiben zu wollen? Wenn man angesehen hat, wie der Hauptgegner nach anfangs gar nicht sooo schlechten Umfragewerten dramatisch verliert, weil er genau diese ortsbezogene Glaubwürdigkeit nicht hatte? Ganz klar: Man schlägt sie als Kanzlerkandidatin für die Bundestagswahl 2013 vor! Auch inhaltlich müsse die SPD vom jüngsten Wahlerfolg lernen, heißt es bei den Sozialdemokraten.“ m(

Mann, die NRW-Wahl ist nur ein paar Tage vorbei, die politische Leiche von Norbert Röttgen ist noch nicht abgekühlt, da untergraben die schon mal präventiv die Glaubwürdigkeit von Frau Kraft. Well done! Geht aber noch gut weiter: “'Das Thema Entschuldung, das einige Leute in der SPD wie eine Monstranz vor sich hergetragen haben, ist ganz offensichtlich kein Thema, das viele Menschen berührt' sagt Juso-Chef Sascha Vogt.“ Na dann freue ich mich mal auf die Bundestagswahl und die nächste Landtagswahl in NRW. 8-)

(Für die Neu-Leser aus Köln, damit sich keine Eltern beschweren: Der Hintergrund ist, dass ein Bundeskanzler mach Berlin gehen muss. Berlin ist aber nicht in NRW!)

Gedenkminute für Heiko von der Leyen

Heiko von der Leyen ist der glückliche Gatte von Ursula von der Leyen. Viele denken jetzt an die Websperren, das Elterngeld, und was da noch alles nicht funktioniert hat. Passend zu den Websperren siehe Bild links (nach Creative Commons verwendet, Autoren hier und hier).

Aber hier ist als besonderes Schmankerl ein Interview mit Ursula von der Leyen zum Vatertag 2008. Darin heißt es: “Die Ministerin verlangte eine Abkehr von den verbreiteten Herrenpartien, bei denen Männern mit Bollerwagen voller Bier und Schnaps unterwegs sind: 'Ich bestehe darauf, dass wir den Vatertag neu erfinden müssen als einen Tag, der begeistert mit den Kindern gefeiert wird.'“ Gut, gegen Sturzbetrunkensein in der Öffentlichkeit kann man etwas haben. Wir müssen ihr zugestehen, dass wir nicht wissen, wie Heiko sich so nach ein paar Bier benimmt.

Ich widme diesen Post aber dennoch aus Mitleid Heiko von der Leyen, denn seine Gattin wird weiter zitiert: „So habe ihr Mann Heiko von der Leyen zu Christi Himmelfahrt Vatertagsblumen und Geschenke verdient. Er bekomme an diesem Tag auch besondere Aufmerksamkeit. – da wird es dann doch etwas viel, oder? Am Vatertag nicht mit den Freunden weg dürfen, dazu noch den ganzen Tag Aufmerksamkeit von Ursula von der Leyen, und dann darf der Gute nicht mal mehr an seinen Schnaps! 8-O Eine Gedenkminute, bitte.

Auch mit Blick auf die Lebenswirklichkeit im Jahre 2012 liest sich das 2008 durchgeführte Interview gut: „Die Ministerin betonte, sie sei „froh und glücklich, dass wir durch das Elterngeld einen richtigen Väterboom haben […].“

Ich bin dann mal Grillen. Ohne besondere Aufmerksamkeit von Ursula. Schönen Vatertag allen :-)

Die Zeit: "RSA-Verfahren zeigt Schwächen"

Die Zeit beschreibt in einem Artikel, dass das RSA-Kryptosystem Schwächen zeigen würde. Garniert wird „der Skandal“, dessen saloppe Botschaft sei, dass „das Internet wackelt“, mit den Einsatzbereichen von Verschlüsselungen: Bankgeschäfte, Mailverkehr, schlüpfrige Details des eigenen Privatlebens, der Autor Burkhard Strassmann nennt selbst den Besuch von Pornoseiten. Alles könne mitgelesen werden. Unter einem Bild der legendären Verschlüsselungsmaschine Enigma steht zu lesen, RSA sei attackiert worden und teilweise geknackt. Sogar eine wissenschaftliche Veröffentlichung ist verlinkt (Danke, Stefan).

Würde in einem populären Kryptosystem eine Schwäche nachgewiesen, wäre das ein Paukenschlag – selbst dann, wenn die gefundene Schwäche praktisch nicht relevant wäre, also keine Gefahr existiert. Mit Paukenschlägen lässt sich wissenschaftlicher Ruhm erzeugen, und deswegen versuchen Kryptographen aus aller Welt ständig, populäre Kryptosysteme zu brechen. Je populärer ein Kryptosystem ist, desto mehr wird es also mathematisch getestet. Würde auch nur der leiseste Zweifel an der Zuverlässigkeit eines Kryptosystems gefunden, würde es binnen kürzester Zeit nirgendwo mehr verwendet. Was ist also dran an dem Artikel in der Zeit?

Das Beste kommt zum Anfang

Es gibt Tage, an denen fällt das „Zitat des Abends“ direkt in den ersten Abendminuten. Auch der heutige Landtagswahl-Abend NRW war noch jung, als Sarah Stalins Faust Wagenknecht mit der Wärme eines Gulags dem ihr ureigenen Charme um Punkt 18:22 auf ARD einen uneinholbaren Schenkelbrecher ablieferte: “Unsere Wähler sind zuhause geblieben, weil sie den Glauben an die Demokratie verloren haben!“ Der ist auf so vielen Ebenen gut, das muss einfach Absicht gewesen sein. Chapeau! Mein Bauch tut mir jetzt weh, und mir laufen immer noch die Tränen an den Wangen herunter. (Beide durchgestrichenen Stellen sind übrigens Zitate aus der Bilderserie "Schreckliche Frauen" auf n-tv.de.)

Bewundernswert auch Herrmann Gröhe, CDU-Generalsekretär, in einer der anschließenden Diskussionsrunden. Er beeindruckte weniger durch Schenkelbrecher, als durch überragende Ruhe und Selbstbeherrschung. Von Ulrich Deppendorf mit der Frage konfrontiert „War Norbert Röttgen der falsche Mann zur falschen Zeit am falschen Ort?“ ließ er sich nichts anmerken. Ich hätte wahrscheinlich ohne sichtbare Regung geantwortet: „Also entschuldigen Sie mal, Ort und Zeit konnten wir uns ja gar nicht aussuchen, die waren schon richtig.“

Traurige Ironie: Die Wahlkampfhelfer von Pro NRW

Mal was Lokales für diejenigen aus dem Bonner Umfeld: In Bad Godesberg, einem der äußeren Stadtteile von Bonn, gab es heute eine Kundgebung der Partei "Pro NRW", die allgemein als rechtsextrem angesehen wird. Provokanterweise hat Pro NRW die Kundgebung nahe der König-Fahd-Akademie durchgeführt. Wie zu erwarten war, haben sich (laut GA, Zitate alle kursiv) “mehr als 500 Gegendemonstranten, darunter viele Muslime“, an Ort und Stelle versammelt. Das ist ein starkes Zeichen, denn von Pro NRW waren nur um die zwanzig Personen anwesend (um der Bringpflicht gegenüber meinen Neu-Lesern aus Köln nachzukommen und elterlichen Beschwerden zu entgehen, rechne ich das mal lieber aus 8-): Jeder Rechte sah sich fünfundzwanzig Gegendemonstranten gegenüber!).

Selbstredend wurde erheblicher Sicherheitsaufwand betrieben: “Die Polizei war mit einem Großaufgebot in Godesberg vertreten und hatte sich vor der Fahd-Akademie positioniert, um ein Aufeinandertreffen der Gruppen zu verhindern. Mannschaftswagen wurden als Sichtblenden aufgestellt.“ Jetzt müsste man glauben, das so ein paar rechte Hempel gar nicht groß beachtet werden. 20 zu 500, das spricht doch eigentlich schon für sich. Aber, ich zitiere einfach mal den Artikel des General-Anzeiger weiter: “Wie Polizeisprecher Harry Kolbe vor Ort berichtete, war die zuvor friedliche Stimmung unter den Gegendemonstranten hochgekocht, als die rund 20 Anhänger von Pro NRW um 15 Uhr an der Fahd-Akademie ankamen und ihren Stand aufbauten. Erste Steine und Flaschen flogen.“ Es ging dann nicht nur so weiter, sondern wird noch viel bunter:

Zwei Einzelkämpfer

In den Bergen Pakistans wurde Gary Brooks Faulkner, ein US-Amerikanischer Bauarbeiter, auf Individualreise aufgegriffen. Er hatte ein Nachtsichtgerät, eine Pistole und ein Schwert dabei. Obwohl er regelmäßig zur Dialyse muss, war er schon mehrmals lange dort. Mittlerweile hat er sich sogar einen Bart wachsen lassen und ein paar Brocken Landessprache gelernt, um weniger aufzufallen. Nun kann man sich fragen: Was macht ein nierenkranker US-Bauarbeiter alleine mit Pistole, Schwert und Nachtsichtgerät in Pakistan? “Authorities there found him [...] on a solo mission to hunt down and kill Osama bin Laden.8-O (Danke, Max!)

Noch eine Individualreise: Was macht man als FDP-Landtagskandidat aus dem niedersächsischen Delmenhorst, wenn die eigene Partei gerade erfolgreich das Projekt „demographische Todeszone“ in Angriff nimmt? Man verschafft ihr Aufmerksamkeit. Wenn man das noch mit einer Auslandsreise kombinieren kann, um so besser! Und so macht sich Claus Hübscher (zweiter von oben) auf den Weg in den Iran und besucht mal Mahmud Ahmadinedschad. Privat, wohlgemerkt – aber wenn man schon mal da ist, kann man doch auch gleich ein paar Sachen auf den Grund gehen, die die Daheimgebliebenen bewegen. „Und er habe auch nachgefragt: Zum Beispiel, ob der Präsident des Iran tatsächlich den Holocaust leugne. „Definitiv nein“, behauptet Hübscher.“ Spiegel Online (jaja, ich weiß) will weiter erfahren haben: „Auch dass sein Land an Atomwaffen arbeite, habe Ahmadinedschad abgestritten.“. Mann, an dem können sich die Inspekteure der IAEA mal ein paar Scheiben abschneiden. Das hat ja niemand ahnen können, dass es so einfach ist! Seine Parteikollegen scheinen es ihm nicht zu danken: “Ein bisschen, sagt Hübscher, fühle er sich in diesen Tagen seelenverwandt mit Günter Grass …m(

NA na NA na NA na NA na LÄDERLAPPEN

Nach den Lehrämtlern mal zur Zerstreuung was Seichtes, wo man nicht nur weinen muss: Die internationalen Variationen des Namens „Batman“. Klickt aufs Bild :-)

Was für ein herrliches Wort! Das stimmt sogar. Die Familie der Läderlappar ist anscheinend die biologische Familie der Vespertilionidae auf Schwedisch … Bestätigung einer Fast-Schwedin (Huhu, C.) steht aber noch aus erfolgt.

Wobei man sich auch im Deutschen über viele Comicnamen wundern muss – na, wer von euch kennt die englischen Originalnamen der Duck-Family?

Kölner Mathefiasko: Studenten kannten Aufgabentypen der Klausur vorher. Neu: Jetzt mit Nachklausur!

Vor ein paar Tagen habe ich von einer Mathematik-Einführungsklausur im Grundschullehramts-Studiengang in Köln berichtet, bei der im ersten Durchgang satte 94% durchgefallen sind. Zunächst war ich eher auf Studi-Seite. Nach weiteren Infos über Klausur und Service musste ich von dieser Betrachtung jäh Abstand nehmen. Ich habe daher im letzten Artikel anhand der Klausur, des Stoffes und der Stellungnahme der Universität begründet, warum bei dem gegeben Stoffumfang und Service gar nicht mit der „Stimmung in der Vorlesung“ argumentiert werden konnte.

Für diese These gibt es neue, starke Argumente. Der Jahrgang bekam eine Probeklausur (veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Dozentin, danke!). Bei einer Probeklausur kann der Student nur gewinnen. Sie enthält realistische Klausuraufgaben – es macht aber nichts, wenn man sie nicht kann. Man kann sich als Student die Stoppuhr anstellen, sie lösen und Feedback erhalten. Dann sieht man, ob man gut im Stoff ist oder bis zur richtigen Klausur lieber noch einen Zahn zulegen sollte. So eine Probeklausur erfordert stundenlange, freiwillige Arbeit von Dozentenseite – wie auch schon ein Skript und Musterlösungen zu Übungszetteln. Darum gibt es auch nur in wenigen Vorlesungen eine. Ich werde wieder versuchen, sie fernab von Stimmungen auseinander zu nehmen und für Leser, die nicht im Uni-Alltag drin sind, nachvollziehbar zu machen.

Wollt ihr wissen, wer eure Kinder prägt?

Vor ein paar Tagen las ich, wie eine Matheklausur im Grundschullehramt in Köln zum Fiasko wurde. Im ersten Durchlauf fielen von 374 Teilnehmern satte 94% durch, mit der Nachklausur sind dann aber um die 100 durchgekommen. Da dachte ich erst „Hui, wie bei uns im ersten Semester, die nehmen die fast-Lehrer ja ganz schön ran“. Bis hier war ich neutraler Meinung, vielleicht mit leichter Tendenz zur der Studiseite. Mir begann an folgenden Stellen, Übles zu schwanen (Zitate sind kursiv):

  • „Die Klausur war hammerschwer, das war richtig ungerecht“, sagt Lisa, die ihren richtigen Namen nicht nennen will, „dabei wollen wir Lehrer werden, nicht Mathematiker.“
  • Der Ärger war so groß, dass sich sogar Eltern einschalteten: Luise Morschel, […] Mutter einer betroffenen Studentin, formulierte zusammen mit ihrem Mann, einem Mathematiklehrer, einen offenen Brief ans nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium.

Ich muss hier niemandem erklären, was man über einen volljährigen Studenten denkt, dessen Eltern vorsprechen und klarmachen, dass sie die Uni im Grunde für eine erweiterte Schulform halten. Familie Morschel ist in dieser Hinsicht aber ein derart besonderes Meisterstück gelungen, dass sie mir am Schluss dieses Beitrags noch einen eigenen Absatz für die Realsatire-Fans unter euch wert sein wird. Insgesamt aber dachte ich, man könne das als Einzelfall sehen. Ich kannte die Klausur selbst nicht, hatte also beim Lesen kein Fachwissen und daher auch keine Meinung. Aus meiner Fachschaftszeit weiß ich: Ganz, ganz selten wird wirklich mal ein Jahrgang „abgewürgt“, auch die Dozenten sind dann nicht glücklich. Zudem schien die Uni Köln um eine Lösung bemüht. Toll!

Steuerrückerstattung, einfach gemacht

Wollt ihr eure Steuergelder wiederhaben? Beteiligt euch als Aktionär an der griechischen Notenbank! Die hängt zwar wie ganz Griechenland am finanziellen Tropf Resteuropas, zahlt davon aber 100 Millionen Euro Dividende an ihre Aktionäre aus.

  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf del.icio.us
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf Digg
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf Furl
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf Reddit
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf Ask
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf Google
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf Netscape
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf StumbleUpon
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf Technorati
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf Live Bookmarks
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf Yahoo! Myweb
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf Newsvine
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf Yahoo! Bookmarks
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf Twitter
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf myAOL
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf Slashdot
  • Bookmark "Naturwissenschaft und Realsatire. Photos und Reisen. Und Ameisen in einem Terrarium." auf Mister Wong
Recent changes RSS feed Creative Commons License Donate Minima Template by Wikidesign Driven by DokuWiki