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Dahinter steckt fast immer ein kluger Kopf. - Wie die FAZ einen Artikel von mir vergeigte

Für die eiligen: Den nicht-vergeigten FAZ-Artikel inklusive aller Bilder gibt es direkt unter dieser Einleitung, wenn ihr unten auf „Weiter lesen“ klickt.

Vor ca. zwei Wochen rief mich ein Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an und bat darum, dass ich einen Artikel fürs Feuilleton schreibe. Es sollte um meine Wahlomat-Auswertungen gehen (Hier mit der Heatmap und hier mit der Landkarte), aber auch für jeden verständlich Mechanismen der Big Data erklären. Beide Artikel leben – ihr ahnt es – ganz existenziell von den Bildern. Und darum war selbstverständlich auch geplant und schriftlich zugesichert, die Bilder entsprechend groß abzudrucken.

Heute schaue ich in die FAZ - und was sehen meine müden Augen? Den Artikel.

  • Ohne Bilder.
  • Aber mit allen Textstellen, die sich auf die Bilder beziehen (sonst wäre der Artikel auch vermutlich ungefähr drei Worte lang).
  • Und mit expliziten, von der FAZ eingefügten Verweisen auf die Bilder.
  • Statt der Originalbilder gibt es fünf rote Wahlkreuzchen-Symbolbildern, die man eher bei Bento erwartet hätte, und einen roten Buntstift. Die Kreuzchen in dermaßen schlechter Qualität, dass man im Druck die JPEG-Artefakte sieht.
  • Mit absprachenfrei geändertem Titel und Teaser.

Mit anderen Worten: Die Bilder wurden nicht mal gestrichen, sie wurden schlicht im Layout vergessen. Und in der Schlussredaktion wurde die Pleite nicht bemerkt. Und vermutlich in einigen weiteren Prozeßschritten, die ich von außen nicht absehen kann.

Was übrigens nicht geändert wurde, ist mein Name darunter. Eine Freigabe existierte für eine solch entstellte und zusammenhanglose Version selbstverständlich nicht. Es ergäbe ja auch keinen Sinn, sie zu drucken. Für mich nicht, für die FAZ nicht, aber vor allem für die Leser nicht.

So eine Meisterleistung muss man erstmal schaffen. m( Man darf sich auch gerne mit einem völlig entstellten Artikel blamieren. Aber man sollte dann nicht einen fremden Namen von jemandem drunter schreiben, der schriftlich nachvollziehbar machen kann, die Sache niemals freigegeben zu haben.

Ergebnis 1: Ich kriege jetzt humorvoll formulierte eMails, die nach den Bildern fragen. Ergebnis 2: Ich ärgere mich rechtschaffen darüber, für die FAZ ein Wochenende damit zugebracht zu haben, und darüber wird auch noch zu reden sein.

Der Sinn war ja gerade, dass die Leser zuhause in den großen Bildern – die die Leser meines Blogs schon kennen – selbst herumforschen können und dabei sozusagen spielerisch und unterhalten von ein bisschen Humor über die Parteienlandschaft erfassen können, was Big Data eigentlich ist. Wie in meinen Vorträgen eben.

Aus diesem Grund poste ich den Artikel hier in voller Länge. Mit Bildern. Mit korrektem Titel und Teaser. Ob sie inhaltlich sonst was unabgesprochen geändert haben, weiß ich nicht. Die hier gepostete Variante ist jedenfalls die, die ich freigegeben habe.

Danke euch allen für die vielen Emails und Benachrichtigungen!

Edit: Weil ein paar Leute nachgefragt haben: Die Sache gewinnt langsam an Unterhaltungswert. Da es aber nicht meine Absicht ist, andere bloßzustellen, werde ich hier keine Einzelheiten posten können.
Edit 2: Die FAZ hat den Artikel jetzt online gestellt - wiederum in einer nicht freigegeben Version, und mit einem Wahlplakat mit Angela Merkel mit Hitlerbärtchen. Nein, wirklich! Klickt auf den Screenshot rechts. 8-O Wow. Und wieder mit Text, der nicht zu den Bildern passt (sie haben die Baumstrukturen der Heatmap abgeschnitten, die Absätze darüber aber drin gelassen). Und wieder unter meinem Namen. Es wird immer besser. Selbst wenn sie es nochmals versuchen, bleibt die Arbeitsqualität schlecht! Wow. Sowas hätte ich niemals bei der FAZ vermutet. 8-o
Edit 3: Das Hitlerbild ist jetzt weg. Text bezieht sich immer noch in mehreren Absätzen auf Bildanteile, die sie weggestrichen haben. Es ist mir jetzt zu peinlich, da immer und immer wieder hinterherzumailen. Wir sind hier doch nicht im Kindergarten. Ich kann nur sagen, dass die Auftürmung dieser unterirdischen Arbeitsqualität bei mir für helles Entsetzen sorgt. Da sich von der FAZ keiner mehr meldet (klar, Wahl), habe ich die Angelegenheit zusammengefasst, die schriftlichen Nachweise in Form einer Vielzahl von Mails zusammengesucht, und das an einen Medienrechtler gegeben. Abhängig davon, was mir geraten wird, schaue ich jetzt, was ich weiter mache.
Edit 4: Wir haben uns ausgesprochen, es gibt Einvernehmen darüber, dass das alles nicht so gut gelaufen ist und wir haben uns gütlich geeinigt. Da der Artikel zumindest auf meinem Blog sehr gut angekommen ist, lasse ich ihn hier online.