Johannes Ponader zurückgetreten

Viele erinnern sich an den aussagekräftigen Artikel von Johannes Ponader im Feuilleton der FAZ: Ich gehe: Mein Rücktritt vom Amt. Das Arbeitsamt erdreistete sich keck, Ponaders Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt angesichts seiner Piratentätigkeit zu hinterfragen – Voraussetzung für seine Sozialleistungsbezüge. Ponader sagte sich daraufhin weinerlich vom Arbeitsamt los. Ich liefere nun die Fortsetzung als Fanfiction – im original FAZ-Design. Klickt links auf das Bild.

Es sei nachdrücklich empfohlen, den Screenshot im Originaldesign zu lesen. Wer will, findet je nach Endgerät den Text aber auch noch beim Klick auf „weiter lesen“. Dort ist er dann in Textform, nicht als Screenshot. Als Trostpflaster ist das Youtube-Video dort aber verlinkt.

Update: So, Datei neu hochgeladen, Glaubwürdigkeit verbessert (Danke, Michael Naumann!) und noch ein paar Spitzen eingeführt (achtet auf die Leserkommentare …). 8-)

Update2: Ponader ist so gut wie weg. Eine Petition für den Rücktritt Ponaders hat bei den Piraten bis jetzt 18 Stimmen. Wer vor ein paar Tagen Gernot Hassknecht gesehen hat, weiß, dass das ziemlich viel ist.

Mein Rücktritt vom Rücktritt vom Amt

21.10.2012 – Der Bundesgeschäftsführer der Piraten steht allein. Erst muss er lernen: Sein politisches Amt ist mit dem Bezug von Arbeitslosenhilfe nicht vereinbar. Dann muss er lernen: Seine Selbstverwirklichung ist mit Arbeit nicht vereinbar. Ein Teufelskreis. Von Johannes Ponader Artikel

Mein Name ist Ponader. Johannes Ponader. Ich bin Spitzenpolitiker. Am 29. April 2012 wurde ich zum politischen Geschäftsführer der Piratenpartei gewählt. Unter meiner Führung zogen wir in den schleswig-holsteinischen Landtag ein. Am selben Abend saß ich bei Günther Jauch in der Sendung.

Es geht um den Erfolg der Piraten, und natürlich um meine Person. Mich mehrmals beim Twittern störend, fragte Jauch: „Sie bekommen Hartz IV.“ Ich bestätige das, sage: „Ja, ich beziehe auch Sozialleistungen.“ Jauch insistiert: „Also Hartz IV.“ - Das geht so nicht. Jauchs Rechte enden, wo meine Gefühle anfangen. Es darf nicht sein, dass Personen stigmatisiert werden, wenn sie für ihre Selbstverwirklichung Sozialleistungen beziehen. Wer krank ist, bezieht die doch auch! Ein weiteres Beispiel neben mir ist der Spitzenkandidat der DVU Hamburg, Reimers mit Namen, der vor einigen Jahren so lange von der anwesenden Presse getrieben wurde, bis er außer "Ich lebe von meinen Einkünften" nichts mehr hervorbrachte. Ein politischer neuer Stern verschwand vom Antlitz des Himmels in Deutschland. Wie ich.

Am 9. Mai hat das Jobcenter meine Zahlungen eingestellt, weil ich Geschäftsführer der Piratenpartei bin. Man zahlt mir keine Sozialleistungen mehr. Bloß, weil ich gar nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehe, das aber beim Antrag auf mein Geld erklärt habe. Ich finde das unsozial. Das Arbeitslosengeld dient schließlich der Existenzsicherung und steht mir zu. Wenn mich jemand darauf anspricht, kann ich immer noch sagen, dass Peter Hartz, der Namensgeber, wegen Untreue in 44 Fällen vorbestraft ist - und sind wir nicht alle ein bisschen Hartz?

Ein Anruf bei meinem Jobcenter, doch ...

… zunächst ein offener Brief. Liebes Jobcenter! Vor einiger Zeit, im April 2012, habe ich in diesem Medium meinen „Rücktritt vom Amt“ bekannt gegeben. Das kann ich so nicht aufrecht erhalten. Bei den Piraten wendet man sich einseitig gegen mich, gegen meine Person. Man hindert mich daran, einfach als Person an Talkshows teilzunehmen. Mir steht Aufmerksamkeit zu! Ich entschließe mich daher freien Geistes, mich wieder anders zu verwirklichen: Wieder als Autor, Regisseur, Schauspieler und Theaterpädagoge. Vielleicht bin ich auch mal motiviert, mir einen Apfel zu schälen, oder so. Bei gutem Wetter gehe ich vielleicht einmal in den Park. Liebes Jobcenter, dafür brauche ich euch. Dass ich das machen kann, sollte euch die Steuern von zwei Vollerwerbstätigen schon wert sein. Spricht mich jemand darauf an, kann ich reflexhaft auf Peter Hartz verweisen, der immerhin 2.6 Millionen Euro veruntreute. Das steht zwar überhaupt nicht im Zusammenhang mit mir, will aber in ein Verhältnis zueinander gestellt werden. Ich könnte davon immerhin 579 Jahre Sozialleistungen beziehen (wenn man freilich die Verwaltungs- und Beratungskosten nicht mitzählt). So lange lebe ich niemals - ich habe das jetzt nicht genau durchgerechnet, aber ich denke, man könnte meine Sozialleistungen demzufolge sogar noch erhöhen.

Warum denken andere, bloß weil sie mein Auskommen erarbeiten, dass ich ihnen Rechenschaft über ihre unfreiwillig gewährten Geschenke schuldig wäre? Das ist eine Unsitte, die in einem Sozialstaat dringend ausgemerzt werden muss. Ein Überbleibsel der faschistoiden Sekundärtugenden. Es ist doch deren Problem, wenn sie sich durch Leistungsbereitschaft und eine zielführende Ausbildung einen unfairen Vorteil erschleichen. In was für einem Land leben wir, wenn Entscheidungen einer Sozialbehörde vom Verhalten des Leistungsbeziehers abhängig gemacht werden? Die gleiche Entartung des gesamten Systems finde ich im Bundesvorstand der Piraten vor. Auch dort will niemand mehr auf mich hören. Selbst, als die Schramm im Buch über ihre Löcher schrieb, haben die Leute weniger protestiert. Das geht also, und mir verweigern sie einfach Spendenaufrufe. Selbst wenn ich sie mehrfach hintereinander beantrage. Dann wird mir noch gesagt, ich halte alles auf, und ich sei nicht teamfähig. Nicht teamfähig? Dabei habe ich Julia sogar noch vorbehaltlos unterstützt, weil ich finde, dass jeder im Rahmen seiner Selbstverwirklichung auch öffentliche Ämter für persönliches ausnutzen darf. Und jetzt plötzlich nennen sie mich „Problem“. Ja, das ist wahre Politik. Das geht nicht. So kann ich nicht arbeiten.

Ich kenne meine Rechte

Ich werde nun weiter an meinen beruflichen Projekten arbeiten. Während und zwischen dieser Arbeitsphasen in meinem Leben wird es wieder Kontrolleure der Bundesagentur für Arbeit geben, die mich prüfen. Da müssen die aber früher aufstehen - es geht hier immerhin um Selbstverwirklichung! Wärend ich mir im Park einen Apfel schälte, habe ich mir ganz genau angesehen, was für Rechte ich habe! Soviel kann sich ein Arbeitsamtkontrolleur mit seiner normalen Freizeit gar nicht anlesen, ha! Zwei mal war der Prüfdienst der Bundesagentur schon bei mir. Beide Male wurden meine Grundrechte mit Füßen getreten. Ich kann es nicht leiden, wenn irgendjemand, der für mich bezahlt, etwas über mein Leben wissen will oder gar verlangt, dass ich auf eigenen Füßen stehe, erwähnte ich das schon? Es kann nicht sein, dass ich nicht jedes mal, wenn ich aufgrund meiner Sozialleistungsbezüge (ich vermeide das Wort HartzIV, müsst ihr wissen) kontrolliert werde, obligatorisch über meine Rechte belehrt werde. Ich habe einen Anspruch darauf!

Einem gemeinsamen Protokoll - worauf ich ebenfalls einen Anspruch habe - stimmen Kontrolleure erst zu, weil ich ihnen andernfalls den Zugang zur Wohnung verwehre. Ich habe umgehend Antrag auf Akteneinsicht gestellt, um das tatsächliche Protokoll zu Gesicht zu bekommen. Der Antrag wurde bis heute nicht bearbeitet. Hallo? Diese Leute werden aus dem gleichen Finanzierungspool bezahlt wie ich! Es kann nicht sein, dass die nicht arbeiten! Einfach meinem Antrag nicht sofort entsprechen, gehts noch? Wie sorgt denn der Staat für mich, wenn Leute, die staatlich finanziert werden, einfach nichts tun! Ich kenne meine Rechte! Wegen Leuten wie mir platzen die Sozialgerichte vor Klagen, und das ist auch gut so. Ich werde Neudeutsch „Kunde“ des Jobcenters genannt. Der Kunde ist immerhin König! Wären „fünf bis zehn Prozent“ so wie ich, so ein Insider im Jobcenter, „könnten wir einpacken“. Das hat nicht etwa mit überbordendem Wohlstand und Dekadenz zu tun, sondern ist eine Entartung des gesamten Systems. Eine Politik, die gesunde Leistungsempfänger gängelt, geht gegen die Ärmsten der Armen.

Unabhängigkeit

Liebes Jobcenter, ich will ein finanziell unabhängiger Freigeist sein. Zum Glück bin ich zufällig in dem einen Land geboren, dass das bedingungslos möglich macht. Ich kenne eure Vorschriften genau. Besser als ihr selbst, ihr müsst nämlich tagsüber für mich als Kunden da sein. Ich trete hiermit von meinem Rücktritt vom Amt zurück. Und wenn ihr mir Eingliederungsmaßnahmen verpassen wollt - dann verdiene ich eben kurz was und bringe das entsprechend durcheinander. Glaubt ihr nicht? Dann lest es doch in meinem Faz-Artikel vom 4.07.2012 nach.

Ich verlasse das Amt, um frei zu sein. Das Amt als politischer Geschäftsführer. Nicht das Arbeitsamt.


P.S.: Wenn nicht bald passiert, was die Satire hier will, wird noch zutreffen, was Golem sagt :-) (siehe auch.)

Comments

Bernd
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2012/10/27 17:24

Warum kommentiert der Ponader hier nicht ein bisschen verdeckt?

B. Lauert
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2012/10/27 17:35

Ja, die Zeit hätte er doch

Brent
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2012/10/27 22:00

Bernd = Ponader, beweis mich falsch

Michael Naumann
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2012/10/28 01:00

Ich habe zuerst nur einen Direktlink auf das Bild bekommen, und habe daher tatsächlich erst beim Betrachten überlegt, ob es echt sein könnte. Zwei kleine Anmerkungen, wodurch Du die Glaubwürdigkeit steigern könntest: 1. Warum sieht das nach 256 Farben mitsamt Dithering-Artefakten aus? Das ist doch ein PNG. 2. Warum sind in Bild-Manier ganze Sätze rot hervorgehoben; bei FAZ.net sind nur Links rot (und unterstrichen) hervorgehoben. Die Typographen sind entsetzt! ;)

David Kriesel
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2012/10/28 12:40

Oha, das Bild wird als Direktlink verbreitet? So eine Gemeinheit 8-). Zu deinen Fragen:

  1. Das Bild ist ein 8-Bit-PNG, weil das einfach ein Drittel der Größe eines FullColor-PNGs einnimmt. Daher die Dithering-Artefakte. Habe jetzt aber 256 statt 128 Farben gegönnt. In dem Moment, wo das Bild einen Rush kriegt, wird mein Server mir das danken.
  2. Korrigiert! Der Zentralrat der Typographen kann sich wieder beruhigen :-). Ich hatte meine Priorität zunächst darauf gelegt, Ponaders weinerlichen und dazu redundanten Schreibstil zu verinnerlichen. Gar nicht so einfach.

Vielen Dank fürs Feedback!




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