Erst denkt man, man hätte sich verlesen. Dann denkt man, die haben sich sicher nur unglücklich ausgedrückt. Und nachdem man die Eingabe an die Uni-Institution ITU gesehen hat, weiß man, dass sie das wirklich so meinen: “Saudi Arabien hält eine stärkere internationale Kooperation für 'zwingend erforderlich', um die Meinungsfreiheit im Internet anzugehen. […] Dabei müsse es vor allem um Fälle gehen, die 'klar die öffentliche Ordnung missachten'“. Originaltext u.a.: „Bearing in mind that countries cannot apply their own laws to acts in another country, there is a crying need for international collaboration to address “freedom of expression” which clearly disregards public order.“ (Danke, Thilo!)
Lest euch die Eingabe aber unbedingt selbst durch. Herrlich, wie sie das in Anführungszeichen schreiben und „to address“ sagen. Aber wenigstens drücken die mal ehrlich und straight-forward aus, was sie meinen, während hier gerade der Schwurbel-Trend von Kinderpornos™ über Terrorismus™ zurück zu Kinderpornos™ geht. Wobei, sie nehmen den islamfeindlichen Film neulich als Aufhänger. Lasst mich also den geplanten Handel zusammenfassen: Irgendein Depp veröffentlicht einen sauschlecht gemachten, dummen Film im Internet. Erstmal passiert nichts. Irgendwer übersetzt den Film ins Arabische. Ein wütender Mob (nach Meinung vieler Beteiligten Minderheit im eigenen Land) fackelt westliche Botschaften ab. Was kann da näher liegen und verhältnismäßiger sein, als endlich die gesamte weltweite Kommunikation zu filzen.
Es ist jetzt ganz wichtig, dass wir denen zur weiteren Organisation unsere eigene Methodik beibringen. Ja, liebe Saudis, da bildet ihr am besten mal ein Kompetenzzentrum mit dem Chef der Polizeigewerkschaft hier in Deutschland. Die holt dafür auch ihren Admin aus dem Streifendienst wieder. Die Firma Digitask und Cecilia Malmström dürften auch einfach zu gewinnen sein. Vielleicht machen Maik Mixdorf und sein 13köpfiges Team und die Kölner Grundschullehramtsstudenten auch noch mit.
Spaß beiseite: Die Angst, die ich jetzt habe, ist, dass die wirklich Profis auf die Matte kriegen, die konkrete Vorschläge machen und im Zweifel wenigstens ansatzweise umsetzen können. Das war ja hierzulande bis jetzt eher weniger der Fall. Dann bräuchten unsere Plastikflöten das nur noch kaufen.