Dein Studium der Komparatistik mit Nebenfächern Gender Studies und Kunstgeschichte ist noch nicht mal zur Hälfte vollendet, und du hast dich doch nur mal kurz auf LinkedIn und Xing probe-angemeldet. Du hast drei Minuten deine Fachrichtung eingetragen, schon müllen dir die ganzen Jobangebote die Mailbox zu. Das kann nerven! Aber: Dir kann geholfen werden. Immer mehr neue Studiengänge und Hochschulstandorte lassen dich beruhigt nach Hause gehen in dem Gefühl, bei der Arge-Vermittlungssoftware durch bloße Vorlage des Abschlusses das Häkchen „nicht vermittelbar“ sicher zu haben.
Erste Empfehlung: Die
Europa-Universität Viadrina. Die ist in Frankfurt, aber an der Oder, und bietet
laut Wikipedia „zwar einen vergleichsweise schmalen Fächerkanon, der nicht dem Umfang der klassischen Volluniversität entspricht, hat aber das Promotions- und Habilitationsrecht“. Aha. Kaum Fächer, aber Hauptsache, unter den Instituten befinden sich so klangvolle Namen wie das „Frankfurter Institut für Transformationsstudien“ (ohne Oder in Namen) und auch das „Interdisziplinäre Zentrum für Ethik“. Es gibt auch Institute für Konfliktmanagement oder für transkulturelle Gesundheitswissenschaften. Letzteres ist noch exquisiter, elitärer und interdisziplinärer, als der Name schon vermuten lässt:
Hier findet sich ein Bericht über eine Masterarbeit des Studiengangs „Kulturwissenschaften - Komplementäre Medizin“, die an ebendiesem Institut als hervorragend empfohlen wird. Thema: Hellseherei und weitere paranormale Themen, das ganze in einem „Kozyrev-Spiegel“ (das ist ein
Aluminium-Rohr). “
Ein Freund, berichtet der Masterstudent, soll im Rahmen eines Vorexperiments mit Hilfe des wundersamen Alu-Dings sogar alte Konflikte mit Toten gelöst haben.“

Das mag einen zum Lachen verleiten – es ist aber genausoviel Ernst wie Satire dahinter, denn solcher Schwachfug ist kein Einzelfall. Die Zeit berichtet, dass Pseudowissenschaften über Privathochschulen zunehmend pseudoakademisiert werden. Daher weitere Empfehlungen:
Empfehlung 2. Im schönen Traunstein (das ist in Oberbayern) soll
die erste europäische Hochschule für Homöopathie eröffnen. Die Zeit meint treffend: “
Unzählige Studien zeigen, dass homöopathische Mittel nicht besser helfen als ein Placebo. Mit privatem Geld lässt sich um ein spekulatives Verfahren herum aber offenbar ohne großen Widerstand eine Hochschule bauen.“ Komplementärmedizinische Globuli-Studiengänge finden sich auch an Hochschulen in Berlin und Idstein.
Empfehlung 3: Ein Bachelor oder gar Master in Waldorfpädagogik, an der
Akademie für Waldorfpädagogik in Mannheim. Oh wobei, das sind genau diejenigen, die es wirklich mal geschafft haben, die Akkreditierung zu versemmeln: “
Das Urteil des Wissenschaftsrates fiel hart aus: Das Institut erreiche auf »einer grundsätzlichen Ebene nicht die für eine Hochschule erforderliche Wissenschaftlichkeit«, schrieben die Gutachter in ihrer Entscheidung aus dem Januar 2011.“ Seitdem nennen sich die Mannheimer eben nicht mehr „Hochschule“ sondern „Akademie“, was ja nicht geschützt ist. Aber wisst ihr was?
Empfehlung 4: Wenn man nicht akkreditiert wird, weil der Name vor dem Kommitee vielleicht nicht ordnungsgemäß getanzt wurde – dann kann man immer noch Huckepack auf einer anderen Hochschule aufsatteln, die irgendwo in Europa anerkannt ist, und einfach eine „Außenstelle“ im eigenen Ort eröffnet. Genau das haben die Mannheimer getan, und so gibt es den Bachelorstudiengang nach wie vor. Cool, das ist sogar bei mir in der Nähe, in Alfter bei Bonn:
„Ihre Dozenten hat die ehemalige Freie Hochschule Mannheim an die ebenfalls anthroposophische Alanus-Hochschule in Nordrhein-Westfalen angedockt; sie geben per Franchisevertrag Unterricht für die Mannheimer Studenten und bereiten sie auf die Prüfungen der Alanus-Hochschule vor.“ Hier ist dann auch die Pressemeldung der Hochschule:
Erste Professur für Waldorfpädagogik. Was wäre die Hochschullandschaft Alfter ohne eine völlige Eigenständigkeit?
-
Na, solange diese Freizeitbeschäftigungen privat finanziert sind und man die Pseudowissenschaften auf Anhieb erkennt, kann es wenigstens dem Steuerzahler egal sein. Wer dafür Geld ausgeben mag, ist ja frei, das zu tun. Ich kann nur hoffen, das solche „Ponader Studies“ im Dienste der „vierten Generation laut Bismarck“ nicht in irgendeiner Form öffentlich gefördert sind. Im Gegensatz zur dritten, die laut Bismarck ja Kunstgeschichte studiert – Ein Fach, was gefördert wird, sich aber auch mit Dingen befasst, die es tatsächlich gibt.
Gut dass die neue Fringe Staffel grade angefangen hat…