Cyberwar-Artikel: Preprint-Download nun möglich

Hier gibt es einen Preprint des Cyberwar-Artikels zum Download und eine Übersicht über die Abschnitte (mit ein paar aktuellen Zusatzbemerkungen, nach Redaktionsschluss sind ja noch und nöcher Sachen passiert, die wir als Beispiele hätten heranziehen können :-) )1).

Download

Das ist ein Preprint, der nicht mit der Veröffentlichungsversion vom Verlag übereinstimmen muss (insbesondere das Layout wird in der Zeitschrift wohl schöner sein)! Der Artikel ist im Original unter der DOI 10.1007/s12399-011-0177-8 erschienen (Springerlink / Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik beim VS Verlag für Sozialwissenschaften).

Kapitelübersicht

Abschnitte 1 und 10 sind Einleitung und Fazit. Der Artikel gliedert sich thematisch eigentlich in zwei Teile. Teil 2 besteht aus den Abschnitten 1 bis 5 und betrachtet den Cyberwar von militärischer Seite. Abschnitt 6 ist ein Übergangsabschnitt, und die folgenden Kapitel betrachten dann die großen Unterschiede in der Welt, die das Internet mit sich bringt, und warum Gesetzgebung und Rechtsprechung da nicht wirklich mithalten konnten.

2 - Cyberwar setzt die "Leere des Gefechtsfeldes" fort

Seit Jahrzehnten werden Gefechtsfelder durch Miniaturisierung, Vernetzung und Elektronik immer „leerer“ – Massenschlachten gehören der Vergangenheit an. Kriegsführung im Internet ist hiervon die logische Fortsetzung: Hier ist das Gefechtsfeld gar nicht mehr sichtbar, kriegerische Handlungen werden nur durch ihr Ergebnis bekannt, und insbesondere sind kriegerische Handlungen unabhängig vom Kombattantenstatus - jeder Zivilist kann mitmachen.

3 - Kampfhandungen im virtuellen Raum

Cyberwar ist nicht im Kern ein militärisches sondern ein ziviles Problem. Bei militärischer Infastruktur gibt es – trotz Pannen – technische Redundanzen, um Angriffe auszuhalten. Jedoch hängt das gesamte zivile Leben (Gesundheitssystem, Verkehrsleitsysteme, Wirtschaftssysteme, etc. pp.) von technischen Infrastrukturen ab, die für Angriffe nicht a priori ausgelegt wurden.

4 - Militärischer Cyberwar

Cyberwar spielt militärisch zwar schon eine Rolle, aber keine dominante. Ein militärischer Cyberangriff ist (in Rechtsstaaten) an die gleichen Genehmigungsstrukturen gebunden wie ein konventioneller, man kann für verhältnismäßig geringe Investitionen viel Schaden anrichten, man kann aber nicht per Cyberangriff keine Landstriche besetzen.

5 - Underdog und Supermacht

Folglich muss Cyberkriegsführung ein Mittel für die beiden Extrema sein: Den mittellosen Underdog, und die Supermacht.

6 - Schlecht gemachte Datensicherheit führt zu Datenunsicherheit

Hält den Status der Abwehrfähigkeit in Deutschland fest. Informationelle Selbstbestimmung ist in Deutschland ein wichtiges Thema. Es gibt regelmäßig emotionale Diskussionen darüber, welche Behörden Daten wie verwenden (was ich auch nicht falsch finde, um das mal zu bekräftigen). Unternehmen unterliegen denselben Gesetzen, aber witzigerweise nicht derselben aufschreienden Kontrolle (oder nur sehr selten), und dann passiert so etwas wie der PSN-Hack bei Sony. Die Abwehrfähigkeit wird aber ebenfalls drastisch eingeschränkt durch das IT-Technisch realitätsferne Verhalten verschiedenster staatlicher Institutionen, hier gibt es ein paar lolige Beispiele für euch.

7 - Die Internetgeneration denkt anders als alle bisherigen

Hier ist sozusagen das Kernkapitel für die Netzgemeinde. Erklärt in Internetausdrucker-Mundgerechten Stücken (nicht böse gemeint!), was am Internet so anders ist im Vergleich zu früheren Kommunikationsmitteln2) und warum es für die in Verantwortung stehende Generation schwer bzw. nicht möglich war, Schritt zu halten. Das Internet ist echtzeitfähig, fast umsonst, Distanzen sind fast egal, und es erlaubt nicht nur jedem zu empfangen sondern auch zu senden. Es ist demokratische Kontrollinstanz.

Es gibt kein Informations- und Geheimwissens-Monopol mehr, jeder kann sich frei informieren (aber auch manipuliert werden). Vor allem gilt aber: Die Internetgeneration verhält sich komplett anders als alle Generationen davor: Geistiges Eigentum wird ohne sofortige Gegenleistung zur Verfügung gestellt (und entgegengenommen), ganze Betriebssysteme (Linux) oder Enzyklopädien (Wikipedia) sind so entstanden, auch mein NN-Manuskript oder SNIPE sind hier sicher ein Beispiel. Das gilt auch für Arbeitskraft, z.B. tun sich Gruppen – ohne dass sie direkt etwas davon haben! – zusammen und investieren aus verschiedensten Motiven Zeit (Siehe z.B. die Guttenberg-Affäre, das wäre ohne diese Massen an Kleinarbeit sicher versandet). Wer so denkt, lässt sich nicht durch „Stoppschilder“ ;-) vorschreiben, wie er sich im Internet zu bewegen hat.

8 - Gesetzgebung und Rechtsprechung sind überfordert

Gesetzgebung und Rechtsprechung hinken der Internetrealität aufgrund verkrusteter Denkweisen um Jahrzehnte hinterher, wodurch dann dilettantische Gesetzgebungen wie der „digitale Radiergummi“ oder Websperren zustande kommen, die technisch dann noch dilettantischer (oder überhaupt nicht) umgesetzt werden.

9 - Ausprägungen des Cyberwar

Kurze Gedanken, was beim Cyberwar alles passieren kann – hier ist eurer Internetkreativität keine Grenze gesetzt, da fällt euch bestimmt noch viel mehr ein. Wir hoffen aber, den Kern getroffen zu haben. :-)

10 - Fazit

Leicht abgewandeltes Zitat: „Bevor wir das Internet verstanden haben, macht es keinen Sinn, im Zustand der Unkenntnis Stoppschilder aufzustellen.“ ;-)

Bibtex

@article {springerlink:10.1007/s12399-011-0177-8,
author = {Kriesel, Friedrich Wilhelm and Kriesel, David},
affiliation = {Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Linder Höhe, 51147 Köln, Deutschland},
title = {Cyberwar – relevant für Sicherheit und Gesellschaft? Eine Problemanalyse},
journal = {Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik},
publisher = {VS Verlag für Sozialwissenschaften},
issn = {1866-2188},
keyword = {Social Sciences},
pages = {205-216},
volume = {4},
issue = {2},
url = {http://dx.doi.org/10.1007/s12399-011-0177-8},
note = {10.1007/s12399-011-0177-8},
year = {2011}
}
1) Habe ich schon gesagt, dass das Wort „Cyber“ sich sehr nach Computerbild anhört? Ich kaufe mir auch absichtlich kein elektronisches Gerät auf dem „Cyber“ steht ;-) Naja, wir haben diesen Begriff ja nicht geprägt
2) die meisten, die auf dieser Seite surfen, werden diese Beschreibung eher nicht brauchen

Comments

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2011/05/06 22:16

Hallo David,

ich habe noch nicht dein ganzes Paper gelesen und werde es die Tage tun. Schon vorab vielen Dank für diese Arbeit und Mühe!

Jedoch sind mir bei deinen Kapitelbeschreibungen schon einige Punkte aufgefallen, die ich zur Diskussion stellen würde.

Schon bei Punkt Zwei kommt die Frage auf, was du unter „Kriegsführung im Internet“ (infowar, Spionage, Sabotage, Botnetze, DDOS, Defacement, Drohnen hacken?) verstehst, denn mittlerweile sind sich die meisten „Experten“ im klaren, dass man selbst keinen Krieg im Internet führen kann! Wenn dann könnte das Internet(WWW/Usernet/subnetze?) selbst eine informations-technisch-kritische Infrastruktur sein, sodass diese als gesamt Angriffsvektor bezeichnet werden könnte. Und das die Fortsetzung des Krieges im Netz logisch ist, würde ich speziell aus implikatorischer Konsequenz bezweifeln.(werde ich nochmal genauer ausführen)

Zu 3: Wenn „cyberwar“ ein ziviles Problem ist, dann ist es wohl eher „cybercrime“. Auch die Behauptung, dass man als Zivilst mit Nicht-Kombattanten -Status an diesem sogenannten „cyberwar“ teilnehmen kann, halte ich für eine gefährliche Aussage, da dies eine radikale Veränderung des Völkerechtes und andere Konventionen bedeuten würde. Die Konsequenzen wären m.E. fatal und so nicht wünschenswert.

Auch diese Systeme –Gesundheitssystem, Verkehrsleitsysteme, Wirtschaftssysteme– werden in Zukunft keine Schnittstellen mit dem WWW haben. Dafür war das Thema zu lange in den Medien, dass es sogar bei der kleinsten Firma angekommen ist.

Mir geht es speziell um den rechtlichem Begriff „ cyberwar“ oder wie ihn lieber wieder hätte kybernetischer Krieg! Ohne eine rechtliche Definition dieses Begriffes kann es in Zukunft und da stimme ich dir zu , einige Probleme geben. Ich werde in den nächsten Tagen ein Paper über die Begriffsfrage von „cyberwar“ veröffentlichen und werde dort, wie auf der Webseite schon vermerkt einige Sachen ansprechen, die speziell die Definition und „cyberwar“ als fünfte Domain behandeln

Bei den anderen Punkten finde ich die Analyse gelungen und stimme so weit zu.

Mit freundlichem Gruß

Florian Grunert

PS: Falls du Interesse hast, kann ich das Paper auch auf www.study4cyberwar.com verlinken!

David Kriesel
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2011/05/07 10:00

Auf den obigen Kommentar wurde per Mail geantwortet :-)

FWK
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2011/05/07 10:21

@Florian Grunert: „fatal“ und „nicht wünschenswert“ ist so manches, was dennoch Realität ist. Es wäre interessant, zu den kursierenden Definitionen mal einen blog zu eröffnen. Erstes Ziel müsste es sein, eine gemeinsame Sprache über ein gemeinsames Verständnis von Begriffsinhalten zu finden.




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