Ich bin Informatiker mit biologischem Interesse und forsche an Algorithmen für dezentral organisierte Systeme. Konkret sind das gerade Schwärme von Robotern. Die Gedankengänge sind aber universell verwendbar: Je weniger globale Abhängigkeiten existieren, desto skalierbarer und robuster ist ein System. Jeder Blick in die freie Natur unterstützt mich in dieser Denkweise. Manchmal lenke ich mich vom Forschen ab, indem ich mein Script weiterschreibe oder meine Ameisenkolonie photographiere (auch so ein dezentrales System).
Die Drohung war, Informationen über Mitglieder und Strukturen des Kartells zu veröffentlichen, was den sicheren Tod der betroffenen bedeutet hätte. Solche Daten lagen Anon wohl vor. Die Aktion dauerte wenige Tage und dürfte signifikant effizienter gewesen sein als jeder staatliche Befreiungsversuch. Man sieht wieder die erste Grundregel: Cyberwar macht, wer's kann.
Jetzt kommen die üblichen „Reaktionen der weniger fähigen im Nachhinein“. Es wird gefordert, die Kartelldaten dennoch zu veröffentlichen, ganz besonders Weinerliche reden vom Komplizentum Anons bezüglich des Kartells
, falls eine Veröffentlichung unterbleibt. Wer so weint, sollte erstmal satisfaktionsfähig werden. Wer ohne Waffen und gewaltfrei in wenigen Tagen eine solche Aktion gegen ein bewaffnetes Kartell durchdrückt, braucht sich um solches Geweine wirklich nicht zu scheren.
Ich an Stelle von Anon würde das nicht machen, sondern unabhängig bleiben und mich an die getroffene Abmachung halten, sonst ist der nächste Entführte direkt in irgendeinem Straßengraben oder die Situation eskaliert anderweitig. Anons Ziel ist erreicht, damit ist es gut, kein Blutvergießen provozieren. So erhält man sich auch auf allen Seiten den für die Sicherheit notwendigen Respekt. Außer bei den Weinern.
… kann das dank einer Sicherheitslücke bei einem Dienstleister für soziale Dienste jetzt machen. Behörden- und Klinikbriefe, medizinische Befunde und psychologischen Dokumentationen konnten angeblich heruntergeladen werden. Hat ein betroffener Patient in irgendeiner Form eine höhere Anstellung, ist der wohl jetzt nicht mehr gut gelitten, oder zumindest erpreßbar. Mal gespannt, was es da an Neuigkeiten gibt bald
Ohne jetzt gleich Paranoia hervorrufen zu wollen: An so etwas kann man sehen, wie vorsichtig wir bei jeglicher Zentralisierung von Daten sein müssen, Stichwort Gesundheitskarte. In dem Moment, wo solch relevante Daten für eine ganze Nation auf einer zentralen Infrastruktur liegen, wird es ernsthafte Angriffe geben. Das ganze ist dann sozusagen cyberwarfähig, und Cyberwar macht, wer's kann. Solange solche Hochbegabten die Daten sichern, ist es dann aber kein Cyberwar, sondern ein Cyberspaziergang.
… diese Schrift prangt im Moment gut sichtbar am rechten Rand meiner Facebookseite. Aus Interesse habe ich natürlich mal draufgeklickt. Dort darf ich dann weitere persönliche Daten eingeben (z.B. will Facebook direkt die Handynummer haben), die ich dann irgendwann nutzen kann, um mein Konto zu entsperren. Je mehr Daten man eingibt, umso sicherer, was? Herrliche Datensammeltaktik, Facebook
… findet Herr Keuner von der SPD. Im Kern macht er sich wohl um die mögliche Nachverfolgbarkeit von IPV6fähigen Geräten Gedanken, da jedes Gerät im Grunde seine eigene Adresse zugewiesen bekommen könnte. Forderungen wie „eine IPv6 darf nicht geheim installiert werden“ lassen einen natürlich dennoch sehr über die technische Kompetenz derjenigen nachdenken, die zu technischen Sachverhalten ihre Meinung beitragen. Der Rest des Textes liest sich auch gut
Spiegelkommentar: „Die Antwort des norwegischen Ministerpräsidenten auf den Massenmord: Noch mehr Offenheit, noch mehr Demokratie. In Deutschland dagegen verlangen Politiker und Polizeifunktionäre mehr Überwachung […] weil sie Angst vor dem Internet haben.“ Trifft es meines Erachtens auf den Kopf. Unter dem Motto „Angst essen Seele auf“ und völlig unbelastet von Fachwissen werden reflexartig Überwachungsideen gegen z.B. „Krude Gedanken“ vorgeschlagen, die entweder …
Sonys PSN-Kundendatenbank abgesaugt. Das ist nicht irgendeine Klitsche, sondern ein IT-Welt-Unternehmen, die eigentlich von Storage was verstehen. Je größer und sensibler der Datensatz, desto mehr angreiferseitiges Interesse, und so sollte selbst der, der nur Gutes im Sinn hat, ohne Not keine großen Personendatensätze zentralisiert ablegen.
Udo Vetter skizziert anhand der Kriminalstatistik NRW den Sinn und Unsinn der Vorratsdatenspeicherung. Fazit: Die Aufklärungsquote von Internetvergehen ist ohnehin schon überdurchschnittlich, insbesondere ist sie nach Kippen der Vorratsdatenspeicherung nicht gefallen, und Internetvergehen machen auch nur 4.4% der Gesamtmasse aus, Tendenz sinkend. Na dann B-)
Auf GetDigital kann man ein Wikileaks-Shirt kaufen – 5 Euro vom Kaufpreis gehen direkt an Wikileaks. Hierzu noch was witziges: Amerikanische Nachrichtendienste blasen zum Angriff auf Wikileaks – leider wurde das zugehörige Dokument geleakt
Es gibt HIER eine Petition gegen das ELENA-Verfahren (elektr. Entgeltnachweis), federführend wieder der Anwalt Starostik, den ja viele schon von der Vorratsdatenspeicherungs-Beschwerde kennen. Die Zeit drängt: Einsendung ist nur noch bis zum 25.03. möglich, und zwar schriftlich! (Danke, Aldi)
Das ganze kostet so zwei bis drei Minuten:
Kurze evolutionsbiologisch angehauchte Durchsage zum Digital Rights Management, zu dessen mutmaßlicher Zukunft – und warum z.B. der Hersteller Ubisoft es so übertreibt, dass er zusätzlich zum erwarteten kurzfristigen Schaden langfristig noch viel mehr Schaden davontragen wird.
Extrem kurze Zusammenfassung (wer mehr Informationen will, klickt einfach auf die Links):
Herzlichen Glückwunsch zur guten PR, Ubisoft. Das ist übrigens nicht das erste mal, dass DRM zu solchen Sachverhalten führt.
Aber die Evolution hätte ja auch keine Wirkung wenn nicht jeder, der einen naturwissenschaftlich nachweisbar falschen Weg verfolgt, diesen nicht auch bis zum Tod verfolgen würde, oder?