Ich bin Informatiker mit biologischem Interesse und forsche an Algorithmen für dezentral organisierte Systeme. Konkret sind das gerade Schwärme von Robotern. Die Gedankengänge sind aber universell verwendbar: Je weniger globale Abhängigkeiten existieren, desto skalierbarer und robuster ist ein System. Jeder Blick in die freie Natur unterstützt mich in dieser Denkweise. Manchmal lenke ich mich vom Forschen ab, indem ich mein Script weiterschreibe oder meine Ameisenkolonie photographiere (auch so ein dezentrales System).
Der Fachkräftemangel ist allgegenwärtig. Das gilt selbst für die katholische Kirche, die zudem noch durch eine ganze Reihe von Pädophilie-Skandalen weltweit erschüttert wurde. Die Bewerberzahlen scheinen drastisch eingebrochen zu sein. Aber: Not macht erfinderisch. Im Zweifel wird dringend benötigtes Personal einfach abgeworben. “Michelle Martin, Ex-Frau und Komplizin des belgischen Sexualmörders Marc Dutroux, wird vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Nonnen wollen sie in ihrem Kloster in einer wallonischen Kleinstadt aufnehmen. […] Laut Angaben eines Sprechers der katholischen Kirche haben die Ordensschwestern seit Jahren persönlichen Kontakt zu der Inhaftierten, die im Gefängnis zum Katholizismus konvertierte.“ (Wer, wie ich, von 1994 bis 1997 in Belgien gelebt hat, dürfte ziemlich genau wissen, wer Marc Dutroux und Michelle Martin sind.)
Ganz wie im sonstigen Berufsleben kann man die tatsächlichen Ausmaße des Fachkräftemangels auch hier erst dann erahnen, wenn man die zusätzlich zur Stelle gewährten Komfortmerkmale betrachtet. Dass Frau Martin nicht selbst Nonne werden muss, mag man angesichts der wirklich dünnen Bewerberlage noch für selbstverständlich halten. Sie wird „kein Teil der religiösen Gemeinschaft sein, sondern in dem großen Gebäude über eine eigene Wohnung verfügen“. Als schon deutlicheres Indiz für die Verhandlungsstärke der begehrten Arbeitnehmerin darf jedoch der Kindergarten
in unmittelbarer Nähe des Klosters gelten, das nach Presseberichten auch keinerlei Sicherheitsvorkehrungen hat. Fehlt eigentlich nur noch ein nagelneuer Spaten im Klostergarten. Ob der Orden auch eine Wohnung mit eigenem Kellerzugang für Josef Fritzl bereitstellt, wurde nicht überliefert.
Eine bei der katholischen Kirche angestellte Erzieherin ist gerade in der Elternzeit. Die Erzieherin hat sich als lesbisch geoutet, nachdem sie es aus Angst jahrelang vor sich hergeschoben hatte. Die Elternzeit ist eine besondere Schutzphase, in der einem Arbeitnehmer nicht einfach gekündigt werden kann. Trotzdem versucht es die katholische Kirche, die Wiege der Barmherzigkeit, bei dieser Erzieherin. Warum? Weil sie "gegen die Moralvorstellungen der Kirche verstoßen würde".
Ich habe mir lange überlegt, was man zum Kündigungsgrund schreiben kann, doch ist mir erst einmal nichts eingefallen, was der Sache gerecht würde.
Und
so
verlinke
ich
in
diesem
Satz
einfach
jedes
Wort
einzeln,
damit
einwandfrei
klar
wird,
dass
die
Erzieherin
ihr
Kind
wahrscheinlich
einfach
weniger
rangenommen
hat,
als
es
bei
der
katholischen
Kirche
sonst
der
Moralvorstellung
zu
entsprechen
scheint.
Also, wenn das kein Kündigungsgrund ist!
Das waren jetzt mehr als 35 Links. Die ersten sechs verweisen auf diverse Karikaturen, Satiren oder auch Informatives wie eine hervorragend gemachte visuelle Aufarbeitung von Widersprüchen in der Bibel. Danach geht es ausschließlich um
Besonders sei auf Link 9 hingewiesen. Es ist der Wikipedia-Artikel "Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche". Im Unterabschnitt „Seit 2010 öffentlich bekannt gewordene Missbrauchsfälle“ findet sich eine Auflistung nach Bistümern. Von den 27 Bistümern in Deutschland sind tatsächlich satte 26 vertreten. Die Auszeichnung „Goldener Knabe“ in der Kategorie „Keine öffentlich bekannt gewordenen Missbrauchsfälle seit 2010“ geht also alleine an das Bistum Görlitz, dem ich hiermit ganz, ganz herzlich gratulieren darf.
Jeder Physiker würde hier sofort sagen: „Ein Datenpunkt von 27 passt nicht? Messfehler!“ – Und leider wird dieser grandiose Erfolg in der Tat etwas relativiert, denn das Bistum Görlitz ist das Bistum mit der bei weitem kleinsten Katholikenzahl in Deutschland. Wo nichts ist, hat eben auch der Abt sein Recht verloren.
In diesem Zusammenhang weise ich noch mal darauf hin, dass es sehr einfach ist, aus der Kirche auszutreten, (Anleitung), falls ihr keine Lust mehr habt, das mitzufinanzieren. Alleine im Bonner Amtsgericht haben sie ein Zimmer mit zwei Leuten dafür. Und für alle, die Sorge haben, dass die Kirche so auf Dauer verarmt, sei auf den Säkularisierungsausgleich hingewiesen (dass es den gibt, wusste ich bis zu dem verlinkten Blogartikel letzten Oktober auch nicht). Ihr finanziert das also auch nach dem Austritt weiter, keine Sorge – nur etwas abgeschwächt
.