Ich bin Informatiker mit biologischem Interesse und forsche an Algorithmen für dezentral organisierte Systeme. Konkret sind das gerade Schwärme von Robotern. Die Gedankengänge sind aber universell verwendbar: Je weniger globale Abhängigkeiten existieren, desto skalierbarer und robuster ist ein System. Jeder Blick in die freie Natur unterstützt mich in dieser Denkweise. Manchmal lenke ich mich vom Forschen ab, indem ich mein Script weiterschreibe oder meine Ameisenkolonie photographiere (auch so ein dezentrales System).
Ich bekomme immer noch regelmäßig verschiedenste Zuschriften zur Lehrämtler-Realsatire in Köln. Über eine Zwischenstation (eine glaubwürdige, aber seht es dennoch gerne als Hörensagen) habe ich nun Infos von jemandem erhalten, der sich in der Kölner Mathedidaktik sehr gut auskennt. Ich bleibe hier absichtlich vage, denn ich habe ja gesehen, wie schnell dieses Thema emotional hochkocht.
Interessant fand ich vor allem folgende Randbedingung, die ich so noch nicht kannte: Es sei der erste Bachelorjahrgang gewesen, und da sei Mathe eben das erste Mal Pflichtfach in dieser Form gewesen. Falls das stimmt, habe ich jetzt schon Angst vor dem Moment, in dem ich ein Kind habe und es mich fragt „Du, Papa, was ist ein Grundschullehrer?“
Denn dann könnte man das Fiasko nicht zwangsläufig als statistischen Ausreißer sehen. Vielmehr wäre das Kölner Mathefiasko das eindeutige Ergebnis des allerersten jahrgangs-deckenden Fähigkeitentests der Grundschullehramts-Studis in Köln überhaupt. Was verheerend für die Kinderbildung ist, ist gut für die Satiriker: Man darf jetzt mit Fug und Recht gespannt der Dinge harren, die da kommen werden, und es könnte sich lohnen, an der Sache dranzubleiben. Falls ich noch einmal in Kontakt mit dem Seminar treten muss, verifiziere ich das natürlich. Das könnte sogar bald sein: Der damals beschriebene Jahrgang kriegt ja noch seine Extraklausur, und es ist gerade Semesterende und damit Klausurzeit.
Damit ihr euch bis zur nächsten Morschelei die Wartezeit verkürzen könnt, gibt es zum Schluss wieder etwas Realsatire. Diese ergibt sich aus der puren Eigendynamik der Angelegenheit: Lest doch einmal den Doppelkommentar, der von „Margret“ unter den zweiten Artikel gesetzt wurde – 18 Tage nach dessen Erscheinen! Natürlich habe ich direkt danach die IP-Adresse mal lokalisiert. Aus welchem Ort sie kam, brauche ich euch wohl kaum zu sagen.
Update: Prof. Volker Rieble nimmt den Artikel "Wollt ihr wissen, wer eure Kinder prägt?" dieses Blogs als Grundlage, um in seinem Artikel „Von infantilen Studenten und Helikopter-Eltern“ auf eine Verallgemeinerung der Problematik hinzuweisen (Zeitschrift Aviso 3/2012, PDF-Link). Er nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Beides freut mich sehr! Rieble ist Professor an der LMU München und widmet sich z.B. auf faz.net immer wieder Themen im Umkreis der universitären Bildung. Er schließt seinen Artikel mit dem Satz: „Wenn die Universität zum Kindergarten wird, sollte man erwägen, den Eltern ein Betreuungsgeld dafür zu zahlen, dass sie uns mit solchen Kindern verschonen.“
Im konkreten Kölner Fall sollte man darüber hinaus die Auszahlung eines Betreuungsgeldes an Großeltern in Erwägung ziehen, damit sie uns mit gewissen Eltern verschonen.
Danke fürs Benachrichtigen an Herrn Krause und alle weiteren!
Vor ein paar Tagen habe ich von einer Mathematik-Einführungsklausur im Grundschullehramts-Studiengang in Köln berichtet, bei der im ersten Durchgang satte 94% durchgefallen sind. Zunächst war ich eher auf Studi-Seite. Nach weiteren Infos über Klausur und Service musste ich von dieser Betrachtung jäh Abstand nehmen. Ich habe daher im letzten Artikel anhand der Klausur, des Stoffes und der Stellungnahme der Universität begründet, warum bei dem gegeben Stoffumfang und Service gar nicht mit der „Stimmung in der Vorlesung“ argumentiert werden konnte.
Für diese These gibt es neue, starke Argumente. Der Jahrgang bekam eine Probeklausur (veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Dozentin, danke!). Bei einer Probeklausur kann der Student nur gewinnen. Sie enthält realistische Klausuraufgaben – es macht aber nichts, wenn man sie nicht kann. Man kann sich als Student die Stoppuhr anstellen, sie lösen und Feedback erhalten. Dann sieht man, ob man gut im Stoff ist oder bis zur richtigen Klausur lieber noch einen Zahn zulegen sollte. So eine Probeklausur erfordert stundenlange, freiwillige Arbeit von Dozentenseite – wie auch schon ein Skript und Musterlösungen zu Übungszetteln. Darum gibt es auch nur in wenigen Vorlesungen eine. Ich werde wieder versuchen, sie fernab von Stimmungen auseinander zu nehmen und für Leser, die nicht im Uni-Alltag drin sind, nachvollziehbar zu machen.
Vor ein paar Tagen las ich, wie eine Matheklausur im Grundschullehramt in Köln zum Fiasko wurde. Im ersten Durchlauf fielen von 374 Teilnehmern satte 94% durch, mit der Nachklausur sind dann aber um die 100 durchgekommen. Da dachte ich erst „Hui, wie bei uns im ersten Semester, die nehmen die fast-Lehrer ja ganz schön ran“. Bis hier war ich neutraler Meinung, vielleicht mit leichter Tendenz zur der Studiseite. Mir begann aber an folgenden Stellen, Übles zu schwanen (Zitate sind kursiv):
Ich muss hier niemandem erklären, was man über einen volljährigen Studenten denkt, dessen Eltern vorsprechen und klarmachen, dass sie die Uni im Grunde für eine erweiterte Schulform halten. Familie Morschel ist in dieser Hinsicht aber ein derart besonderes Meisterstück gelungen, dass sie mir am Schluss dieses Beitrags noch einen eigenen Absatz für die Realsatire-Fans unter euch wert sein wird. Insgesamt aber dachte ich, man könne das als Einzelfall sehen. Ich kannte die Klausur selbst nicht, hatte also beim Lesen kein Fachwissen und daher auch keine Meinung. Aus meiner Fachschaftszeit weiß ich: Ganz, ganz selten wird wirklich mal ein Jahrgang „abgewürgt“, auch die Dozenten sind dann nicht glücklich. Zudem schien die Uni Köln um eine Lösung bemüht. Toll!